Kwasniok verklagt den 1. FC Köln: Gehaltsklausel vor dem Arbeitsgericht

Geprüft von Paul Neumann
Zusammenfassung

Ex-Trainer Lukas Kwasniok verklagt den 1. FC Köln vor dem Arbeitsgericht: Er ficht eine Klausel an, die sein Gehalt nach der Freistellung halbiert. Verhandlung am 16. Februar 2027.

10 Min. Lesezeit

Der am 22. März 2026 freigestellte Ex-Trainer Lukas Kwasniok hat den 1. FC Köln vor dem Kölner Arbeitsgericht verklagt, weil er eine Vertragsklausel anficht, die sein Gehalt nach Ende der Saison 2025/26 auf 50 Prozent reduziert. Das bestätigten am 10. September 2026 mehrere deutsche Medien, darunter der Kölner Express und die Bild. Die Kammer-Verhandlung ist für den 16. Februar 2027 um 10:45 Uhr angesetzt.

Kwasniok, der in 27 Bundesliga-Spielen für die Geißböcke nur sechs Siege und 13 Niederlagen holte, ist formal weiterhin beim Verein angestellt und bezieht sein Gehalt. Sein Vertrag läuft eigentlich bis 2028, enthält aber laut Berichten eine Klausel, die nach dem Ende der Saison 2025/26 nur noch die Hälfte des Grundgehalts von rund einer Million Euro pro Jahr vorsieht. Genau diese Klausel greift Kwasniok nun juristisch an.

Die entscheidende Gehaltsklausel im Fokus

Der Kern des Rechtsstreits dreht sich um eine vertraglich verankerte Schutzklausel zugunsten des 1. FC Köln. Laut übereinstimmenden Berichten des Kicker, des Kölner Express und der Kölnischen Rundschau sieht Kwasnioks bis 2028 laufender Vertrag Folgendes vor: Während der aktiven Beschäftigung in der Saison 2025/26 erhält der Trainer sein volles Grundgehalt von geschätzt rund einer Million Euro jährlich zuzüglich möglicher Boni. Nach dem Ende der Saison — also ab dem 1. Juli 2026 — greift die strittige Klausel, die die Vergütung auf 50 Prozent reduziert, sofern Kwasniok freigestellt ist und keinen neuen Arbeitgeber gefunden hat.

Kwasnioks Anwälte halten diese Klausel für unwirksam und fordern die Weiterzahlung des vollen Gehalts. Die Argumentation: Eine solche einseitige Gehaltsreduzierung sei rechtlich nicht haltbar, wenn der Arbeitnehmer nicht selbst gekündigt habe, sondern freigestellt worden sei. Der 1. FC Köln beruft sich dagegen auf die Vertragsfreiheit und argumentiert, die Klausel sei bei Vertragsabschluss im Juni 2025 von beiden Seiten akzeptiert worden und somit bindend.

Ein Gütetermin im August 2026 scheiterte bereits, da laut Angaben des Arbeitsgerichts Köln keine außergerichtliche Einigung erzielt werden konnte. Kwasniok war bei diesem Termin offenbar nicht persönlich anwesend. Das Gericht setzte daraufhin die Kammer-Verhandlung auf den 16. Februar 2027, 10:45 Uhr, fest.

Auch Co-Trainer Dold wehrt sich juristisch

Die Klage beschränkt sich nicht auf Kwasniok allein. Laut der Kölnischen Rundschau hat auch Ex-Co-Trainer Patrick Dold rechtliche Schritte gegen den 1. FC Köln eingeleitet. Dold war zusammen mit Kwasniok am 22. März 2026 freigestellt worden und wehrt sich ebenfalls gegen die Bedingungen seiner Freistellung. Über die genauen Details von Dolds Klage und die konkreten Streitpunkte ist bislang wenig bekannt, doch der parallele juristische Vorstoß deutet auf ein grundsätzliches Problem mit den Vertragsklauseln im Kölner Trainerstab hin.

Die turbulente Amtszeit Kwasnioks beim FC

Der 1. FC Köln hatte Kwasniok am 6. Juni 2025 als neuen Cheftrainer vorgestellt. Der damals 43-Jährige erhielt einen Dreijahresvertrag bis 2028 und kam mit einer starken Empfehlung vom SC Paderborn 07, wo er vier Jahre lang erfolgreich in der 2. Bundesliga gearbeitet hatte. Köln-Geschäftsführer Christian Keller bezeichnete Kwasniok bei seiner Vorstellung als einen Trainer, der Mannschaften weiterentwickeln und eine klare Spielidee vermitteln könne.

Die Realität in der Bundesliga sah jedoch anders aus. In 27 Ligaspielen sammelte Kwasniok nur 26 Punkte — sechs Siege, acht Unentschieden und 13 Niederlagen. Im DFB-Pokal schied sein Team in der zweiten Runde gegen den FC Bayern München aus, nachdem es die erste Runde noch überstanden hatte. Insgesamt stand Kwasniok für 29 Pflichtspiele an der Seitenlinie.

Am 22. März 2026 zog der Verein nach einem 3:3-Unentschieden und einer Serie von sieben Spielen ohne Sieg die Reißleine. In einer offiziellen Mitteilung erklärte der FC: „Der 1. FC Köln und Lukas Kwasniok gehen ab sofort getrennte Wege.“ Interimstrainer René Wagner übernahm die Mannschaft und führte sie letztlich zum Klassenerhalt — ein Erbe, das Kwasnioks Bilanz zusätzlich belastet.

Kwasnioks Bilanz beim FC im Überblick

WettbewerbSpieleSiegeUnentschiedenNiederlagenPunkte
Bundesliga 2025/2627681326
DFB-Pokal 2025/262101
Gesamt297814

Vom Beamten zum Profitrainer: Kwasnioks ungewöhnlicher Werdegang

Die Geschichte des am 12. Juni 1981 im polnischen Gliwice geborenen Kwasniok ist eine der ungewöhnlichsten im deutschen Profifußball. Als Kleinkind kam er mit seiner Familie nach Karlsruhe und durchlief die Jugendabteilung des Karlsruher SC, wo er sogar die deutsche U16-Nationalmannschaft als Kapitän anführte. 1999 wechselte er zu Arminia Bielefeld, inklusive einer Leihe zum SV Sandhausen in der Saison 2000/01.

Doch Verletzungen beendeten seinen Traum von einer Profikarriere früh. Über den FC Rastatt 04 (2001–2005) und Germania Friedrichstal (2005–2007) endete sein aktives Spielerdasein im Amateurfußball. Kwasniok schlug zunächst den Weg in den öffentlichen Dienst ein und arbeitete als Beamter, während er parallel bei der OSV Rastatt seine ersten Schritte als Trainer machte — mit gerade einmal 26 Jahren.

Der Wendepunkt kam, als er in die Jugendabteilung des Karlsruher SC zurückkehrte. Ab Dezember 2015 übernahm er die U19-Mannschaft und wurde am 4. Dezember 2016 sogar zum Interimstrainer der Profis befördert, als Tomas Oral entlassen wurde. Obwohl seine Interimsphase nur bis zum 22. Dezember 2016 dauerte, hatte Kwasniok Blut geleckt.

Der Aufstieg über Jena, Saarbrücken und Paderborn

Im Dezember 2018 übernahm Kwasniok den FC Carl Zeiss Jena in der 3. Liga — sein erstes echtes Engagement als Cheftrainer im Profifußball. Nach zehn Monaten und 33 Spielen (neun Siege) wurde er im September 2019 entlassen, doch die Erfahrung war unbezahlbar.

Es folgte der 1. FC Saarbrücken, wo Kwasniok im Dezember 2019 antrat und bis zum Sommer 2021 blieb. Mit den Saarländern sorgte er in der Regionalliga und der 3. Liga für Aufsehen und empfahl sich für höhere Aufgaben.

Sein Meisterstück lieferte er beim SC Paderborn 07 ab. Am 17. Mai 2021 als Nachfolger von Steffen Baumgart vorgestellt, stabilisierte Kwasniok den ostwestfälischen Klub in der 2. Bundesliga und formte ihn zu einem regelmäßigen Aufstiegskandidaten. Vier Jahre lang — von Juli 2021 bis Juni 2025 — drückte er dem Verein seinen Stempel auf, bevorzugte ein 3-4-3-System und galt als einer der taktisch flexibelsten Trainer der zweiten Liga. Laut Sofascore standen bis zu diesem Zeitpunkt 390 Spiele als Cheftrainer mit 170 Siegen und 129 Niederlagen in seiner Gesamtbilanz.

Football manager on the sideline of a packed German Bundesliga stadium

Die Karrierestationen Kwasnioks in der Übersicht

VereinZeitraumLigaBesonderheit
1. FC KölnJuni 2025 – März 2026BundesligaFreigestellt, juristischer Streit
SC Paderborn 07Mai 2021 – Juni 20252. BundesligaLängste Amtszeit, Aufstiegskandidat
1. FC SaarbrückenDezember 2019 – Juni 20213. Liga / RegionalligaAufstieg in die 3. Liga
FC Carl Zeiss JenaDezember 2018 – September 20193. LigaErstes Profi-Engagement
Karlsruher SC (Interim)Dezember 20162. BundesligaInterimscoach der Profis
Karlsruher SC U19Dezember 2015 – Juli 2018JugendJugendarbeit

Was der Fall für den 1. FC Köln bedeutet

Der juristische Streit trifft den 1. FC Köln in einer sportlich sensiblen Phase. Die Geißböcke sind nach dem Abstiegskampf der Vorsaison mit gemischten Ergebnissen in die neue Bundesliga-Spielzeit 2026/27 gestartet: Am ersten Spieltag gelang ein 3:2-Erfolg gegen die TSG Hoffenheim, doch am zweiten Spieltag folgte eine deutliche 1:4-Niederlage beim VfB Stuttgart am 4. September 2026.

Die finanzielle Dimension des Falls ist nicht zu unterschätzen. Sollte das Arbeitsgericht Kwasnioks Klage stattgeben und die Gehaltsklausel für unwirksam erklären, müsste der FC das volle Gehalt bis zum Vertragsende 2028 weiterzahlen — also rund zwei weitere Jahre. Bei einem geschätzten Grundgehalt von einer Million Euro pro Jahr käme eine erhebliche Summe zusammen, die den ohnehin finanziell belasteten Traditionsklub zusätzlich belasten würde.

Der Verein selbst hat sich zu den Einzelheiten des Rechtsstreits bislang nicht öffentlich geäußert. In der offiziellen Mitteilung vom 22. März 2026 hatte es lediglich geheißen, man gehe „getrennte Wege“. Kwasniok ist seit seiner Entlassung vereinslos und hat in den sechs Monaten seit seiner Freistellung keinen neuen Arbeitgeber gefunden — ein Umstand, der die Gehaltsklausel überhaupt erst zu einem Streitpunkt werden lässt.

Ein Präzedenzfall für das deutsche Arbeitsrecht im Fußball?

Der Fall Kwasniok könnte über die Müngersdorfer Straße hinaus Wellen schlagen. Gehaltsreduzierungsklauseln bei freigestellten Trainern sind im deutschen Profifußball durchaus üblich — sie sollen Vereine davor schützen, über Jahre hinweg das volle Gehalt eines nicht mehr beschäftigten Trainers zahlen zu müssen. Gleichzeitig stellen sie für die betroffenen Trainer eine erhebliche finanzielle Einbuße dar, insbesondere wenn sie — wie Kwasniok — nicht sofort einen neuen Posten finden.

Sollte das Kölner Arbeitsgericht die Klausel für unwirksam erklären, hätte das potenziell weitreichende Folgen für die Vertragsgestaltung im gesamten deutschen Profifußball. Vereine müssten ihre Trainerverträge überarbeiten und möglicherweise andere Schutzklauseln finden. Auf der anderen Seite würde eine Bestätigung der Klausel den Status quo zementieren und Vereinen weiterhin die Möglichkeit geben, ihre finanziellen Risiken bei Trainerentlassungen zu begrenzen.

Arbeitsrechtsexperten beobachten den Fall aufmerksam. Die Frage, ob eine einseitige Gehaltsreduzierung nach Freistellung rechtmäßig ist, berührt grundsätzliche Prinzipien des deutschen Arbeitsrechts — insbesondere die Frage der Verhältnismäßigkeit und des Arbeitnehmerschutzes. Dass Kwasniok nicht selbst gekündigt hat, sondern vom Verein freigestellt wurde, stärkt potenziell seine Position.

Die aktuelle Situation des FC unter Gerhard Struber

Während Kwasniok juristisch um sein Gehalt kämpft, hat der 1. FC Köln längst weitergeblättert. Nach dem erfolgreichen Klassenerhalt unter Interimstrainer René Wagner verpflichtete der Verein zur Saison 2026/27 einen neuen Cheftrainer. Die Mannschaft wurde im Sommer verstärkt, unter anderem mit dem englischen Trio Mikey Moore, Jahmai Simpson-Pusey und Reigan Heskey, die laut Berichten am 5. September 2026 Bundesliga-Geschichte schrieben.

Auch sportlich zeigt sich der FC ambitioniert. Der 3:2-Sieg zum Saisonauftakt gegen Hoffenheim machte Hoffnung, die anschließende 1:4-Niederlage beim VfB Stuttgart am 4. September 2026 offenbarte jedoch, dass der Weg zurück in ruhigere Gefilde noch weit ist. Verletzungssorgen um Leistungsträger wie El Mala erschweren die Situation zusätzlich. Die Belastung durch den juristischen Streit mit dem Ex-Trainer kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Im vergangenen Jahr sorgte auch die Trainerentlassung bei einem anderen Bundesliga-Aufsteiger für Schlagzeilen. Anton Kade machte sich derweil mit einer starken Leistung gegen Schalke auf Jürgen Klopps Zettel — ein Zeichen dafür, wie schnell sich die Prioritäten im Bundesliga-Geschäft verschieben können.

Wie es weitergeht: Ausblick auf den 16. Februar 2027

Die Kammer-Verhandlung am 16. Februar 2027 dürfte Klarheit bringen — zumindest in erster Instanz. Sollte eine der Parteien mit dem Urteil nicht einverstanden sein, steht der Weg über das Landesarbeitsgericht offen, was den Streit noch weiter in die Länge ziehen könnte.

Für Kwasniok selbst steht mehr auf dem Spiel als nur Geld. Sechs Monate ohne Verein sind für einen 45-Jährigen, der sich über Jahre mühsam vom Amateurtrainer zum Bundesliga-Coach hochgearbeitet hat, eine lange Durststrecke. Der Ausgang des Verfahrens könnte auch seine zukünftigen Chancen auf dem Trainermarkt beeinflussen — ein offener Rechtsstreit mit dem ehemaligen Arbeitgeber ist in der eng vernetzten Welt des Profifußballs selten förderlich für die Reputation.

Fest steht: Der Fall Kwasniok gegen den 1. FC Köln ist mehr als nur ein arbeitsrechtlicher Disput zwischen einem geschassten Trainer und seinem Ex-Verein. Er wirft grundsätzliche Fragen über die Vertragsgestaltung im deutschen Profifußball auf und könnte als Präzedenzfall die Art und Weise verändern, wie Bundesliga-Klubs künftig Trainerverträge formulieren. Bis zum 16. Februar 2027 bleibt Kwasniok formell Angestellter des 1. FC Köln — ob zum vollen oder halben Gehalt, das wird das Arbeitsgericht entscheiden.

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Lukas Brandt, LifeBogger author

Lukas Brandt

Hallo! Ich bin Lukas Brandt und schreibe für die deutschsprachigen Leser von LifeBogger über die Kindheit und die Lebensgeschichten von Fußballern. Ich recherchiere Herkunft, Familie und die frühen Jahre der Spieler — jene Geschichten, die lange vor den großen Bühnen beginnen. Am meisten interessiert mich, was einen Jungen vom Bolzplatz bis ins Nationaltrikot trägt.

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