Gladbach entlässt Trainer Polanski nach drei Niederlagen zum Bundesliga-Auftakt

Geprüft von Paul Neumann
Zusammenfassung

Borussia Mönchengladbach trennt sich am 13. September 2026 von Trainer Eugen Polanski nach drei Niederlagen in Folge. Jan-Moritz Lichte übernimmt interimistisch.

9 Min. Lesezeit

Borussia Mönchengladbach hat sich am Sonntag, dem 13. September 2026, mit sofortiger Wirkung von Cheftrainer Eugen Polanski getrennt. Die Entscheidung fiel einen Tag nach der verheerenden 0:5-Niederlage beim SC Freiburg, die den Verein nach drei Spieltagen der Bundesliga-Saison 2026/27 mit null Punkten und einem Torverhältnis von 3:12 auf dem 17. Tabellenplatz zurückließ. Interimstrainer Jan-Moritz Lichte übernimmt ab sofort die Leitung der Mannschaft.

Die Entlassung markiert das Ende einer turbulenten Ära: Polanski, der im September 2025 als Interimslösung nach der Entlassung von Gerardo Seoane übernommen und im Mai 2026 als dauerhafter Cheftrainer bestätigt worden war, konnte die Erwartungen der Vereinsführung zu Saisonbeginn nicht erfüllen. Gemeinsam mit Co-Trainer Tobias Trulsen wurde er von seinen Aufgaben entbunden.

Rouven Schröder begründet die Entscheidung

Sportchef Rouven Schröder erklärte die Entlassung in einer offiziellen Stellungnahme des Vereins mit den Worten: „Trotz einer guten Vorbereitung und positiver Ansätze ist es der Mannschaft in der Bundesliga nicht gelungen, die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.“ Schröder ergänzte: „Die jüngsten Leistungen haben uns letztlich zu dem Schluss geführt, dass eine Veränderung notwendig war, weshalb wir Eugen mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden haben.“

Bereits nach der 0:5-Schlappe in Freiburg am Samstagabend hatte Schröder den Medien gegenüber eine Garantie für Polanskis Verbleib verweigert. Laut Berichten von Sky Sport trat der Vorstand noch in der Nacht zum Sonntag zusammen und informierte Polanski am Sonntagmorgen über die Entscheidung. Die Schnelligkeit des Prozesses verdeutlicht, wie unhaltbar die Vereinsführung die Situation einschätzte.

Drei Spiele, null Punkte: Der katastrophale Saisonstart im Überblick

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Borussia Mönchengladbach kassierte in den ersten drei Bundesliga-Partien der neuen Saison drei Niederlagen in Folge — ein Fehlstart, der in der jüngeren Vereinsgeschichte seinesgleichen sucht.

SpieltagDatumBegegnungErgebnis
312. September 2026SC Freiburg – Bor. Mönchengladbach5:0
25. September 2026Bor. Mönchengladbach – SV Elversberg3:4
1Spieltag 1Niederlage (genaues Ergebnis variiert)Niederlage

Besonders das Heimspiel gegen Aufsteiger SV Elversberg am 2. Spieltag schmerzte die Fans: Die Fohlen führten zwischenzeitlich, kassierten aber vier Gegentore und verloren 3:4 vor eigenem Publikum. Das Debakel in Freiburg, bei dem Gladbach in allen Belangen unterlegen war, besiegelte dann Polanskis Schicksal. Drei Spiele, drei Niederlagen, drei geschossene Tore und zwölf kassierte — eine Bilanz, die keine Vereinsführung der Welt als akzeptabel betrachten kann.

Eugen Polanski: Vom Gladbach-Eigengewächs zum gescheiterten Cheftrainer

Die Geschichte von Eugen Polanski und Borussia Mönchengladbach ist eine, die weit über diese drei Niederlagen hinausreicht. Geboren am 17. März 1986 im polnischen Sosnowiec, kam Polanski als Jugendlicher nach Deutschland und durchlief die Nachwuchsabteilung der Borussia. Als defensiver Mittelfeldspieler schaffte er den Sprung in den Profikader und spielte in seiner aktiven Karriere unter anderem für den 1. FSV Mainz 05, den spanischen Verein Getafe CF und Hannover 96, bevor er seine Spielerlaufbahn beendete.

Nach dem Ende seiner aktiven Zeit kehrte der polnisch-deutsche Doppelstaatsbürger an seine alte Wirkungsstätte zurück und arbeitete sich durch die Jugend- und Reservemannschaft des Vereins nach oben. Als Gerardo Seoane im September 2025 nach einem schwachen Saisonstart entlassen wurde, übernahm Polanski als Interimscoach — und führte die Mannschaft immerhin auf einen akzeptablen zwölften Tabellenplatz in der Saison 2025/26.

Diese solide, wenn auch nicht überragende Leistung reichte Sportchef Schröder im Mai 2026, um Polanski als dauerhaften Cheftrainer für die neue Saison zu bestätigen. Die offizielle Bundesliga-Website zitierte Schröder damals mit den Worten, man setze weiter auf Polanski als Cheftrainer. Doch was in der Vorsaison noch als positiver Trend erschien, entpuppte sich in der neuen Spielzeit als Trugschluss. Die defensive Anfälligkeit — zwölf Gegentore in drei Spielen — offenbarte strukturelle Probleme, die Polanski nicht in den Griff bekam.

Jan-Moritz Lichte: Der Interimstrainer und seine Erfahrung

Als Nachfolger auf Interimsbasis wurde Jan-Moritz Lichte benannt. Der am 12. Januar 1980 in Kassel geborene deutsche Trainer bringt eine ungewöhnliche Vita mit: Lichte arbeitete zuvor unter anderem in der Nachwuchsabteilung von Manchester City in England, bevor er 2026 als Co-Trainer zu Borussia Mönchengladbach zurückkehrte. Erfahrung als Cheftrainer in der Bundesliga sammelte er bereits bei Mainz 05, wo er ebenfalls als Interimslösung einsprang.

Lichte steht nun vor der Aufgabe, eine verunsicherte Mannschaft zu stabilisieren. Sein erstes Spiel als Interimstrainer wird das Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 am kommenden Spieltag sein — ausgerechnet gegen seinen ehemaligen Verein. Ob Lichte eine langfristige Lösung darstellt oder die Vereinsführung während der anstehenden Länderspielpause einen externen Kandidaten sucht, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen.

Bundesliga coach on the sideline of a packed stadium at night

Die 0:5-Demütigung in Freiburg: Analyse des Spiels, das alles veränderte

Das Auswärtsspiel beim SC Freiburg am 12. September 2026 war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Gladbacher waren von Beginn an chancenlos und kassierten fünf Gegentore, ohne selbst ein einziges Tor zu erzielen. Die Defensive, die bereits in den ersten beiden Spielen sieben Gegentore zugelassen hatte, brach in Freiburg vollständig zusammen.

Besonders alarmierend war die Art und Weise der Niederlage. Es fehlte nicht nur an taktischer Ordnung, sondern auch an der grundsätzlichen Bereitschaft, sich gegen einen Gegner zu stemmen, der selbst keine Spitzenmannschaft ist. Freiburg nutzte die Räume, die Gladbach im Mittelfeld preisgab, konsequent aus und strafte jede Nachlässigkeit in der Defensive eiskalt ab. Die Nachrichtenagentur Xinhua sprach von einer „vernichtenden Niederlage“ (crushing defeat), die den Verein ohne einen einzigen Punkt aus drei Spielen zurückließ.

Schröders Reaktion unmittelbar nach dem Spiel deutete bereits auf die bevorstehende Entscheidung hin. Gegenüber den Medien verweigerte er eine Jobgarantie für Polanski und erklärte stattdessen, dass man die Situation intern besprechen werde. Diese Zurückhaltung galt als unmissverständliches Signal.

Gladbachs Trainerkarussell: Die zweite Entlassung nach drei Spieltagen in Folge

Medienberichten zufolge ist es das zweite Jahr in Folge, dass Borussia Mönchengladbach nach gerade einmal drei Bundesliga-Spieltagen den Trainer entlässt. Im September 2025 war Gerardo Seoane nach einem ebenfalls schwachen Saisonstart beurlaubt worden, woraufhin Polanski übernahm. Diese Wiederholung wirft grundlegende Fragen über die Strukturen im Verein auf.

Das niederländische Portal Voetbalprimeur sprach von einem „Blitzentlassung in Deutschland“ und betonte, dass Schröder bereits nach dem Freiburg-Spiel kein Vertrauen mehr in Polanski ausgesprochen habe. Die Tatsache, dass der Sportchef die Entscheidung so schnell vorantrieb, deutet darauf hin, dass die Probleme nicht erst seit dem Saisonstart bestanden — sondern möglicherweise bereits in der Vorbereitung Risse sichtbar geworden waren, die die öffentlich kommunizierte Zufriedenheit konterkarierten.

In Gladbach stellt sich nun die Frage, ob das Problem tiefer liegt als bei der Trainerpersonalie. Der Verein, einst ein etablierter Bundesligist mit regelmäßiger europäischer Beteiligung, hat in den vergangenen Jahren an sportlicher Substanz verloren. Der ständige Trainerwechsel — von Marco Rose über Adi Hütter, Daniel Farke, Gerardo Seoane bis zu Polanski — spricht für eine strukturelle Instabilität, die ein einzelner Trainer allein nicht lösen kann.

Rouven Schröder: Der Mann hinter den Entscheidungen

Sportchef Rouven Schröder, geboren am 18. Oktober 1975 in Arnsberg, ist seit dem 14. Oktober 2025 als Sportchef für die sportlichen Geschicke der Borussia verantwortlich. Der ehemalige Fußballspieler hatte zuvor unter anderem bei Mainz 05 und Schalke 04 in leitenden Funktionen gearbeitet und brachte umfangreiche Erfahrung im Bundesliga-Management mit nach Gladbach.

Es war Schröder, der im Mai 2026 die Entscheidung traf, Polanski trotz eines nur mittelmäßigen zwölften Platzes als dauerhaften Cheftrainer zu bestätigen. Nun, weniger als vier Monate später, musste er seine eigene Entscheidung korrigieren. In seiner offiziellen Erklärung betonte Schröder die „gute Vorbereitung“ als mildernen Umstand, machte aber gleichzeitig unmissverständlich klar, dass die Ergebnisse nicht den Erwartungen entsprachen.

Die Frage, ob Schröder sich mit der Bestätigung Polanskis verkalkuliert hat, wird in den kommenden Wochen intensiv diskutiert werden. Kicker.de hatte bereits die Gladbach-Problematik beleuchtet und die allgemeine Dynamik der jungen Bundesliga-Saison thematisiert, in der mehrere Vereine mit Umbrüchen kämpfen.

Mögliche Nachfolgekandidaten für den Trainerposten

Während Jan-Moritz Lichte die Mannschaft vorübergehend betreut, wird hinter den Kulissen bereits über einen dauerhaften Nachfolger spekuliert. Zum Zeitpunkt der Entlassung hat der Verein keine offiziellen Angaben zu möglichen Kandidaten gemacht. Berichte deuten jedoch darauf hin, dass die Vereinsführung die anstehende Länderspielpause nutzen möchte, um einen neuen Cheftrainer zu verpflichten.

Die Liste der verfügbaren Trainer auf dem Markt ist im September traditionell begrenzt. Namen wie Niko Kovac, der bereits Erfahrung als Bundesliga-Trainer mitbringt und derzeit vereinslos ist, werden in den Medien gehandelt — eine offizielle Bestätigung gibt es dafür jedoch nicht. Klar ist: Wer auch immer die Nachfolge antritt, wird eine Mannschaft übernehmen, die nicht nur sportlich, sondern auch mental am Boden liegt.

Bundesliga-Kontext: Gladbach ist nicht das einzige Team in der Krise

Der Saisonstart 2026/27 hat auch bei anderen Vereinen für Unruhe gesorgt. Die Frage „Bayern weit von Bestform entfernt“ war eines der dominierenden Themen nach dem mühsamen Arbeitssieg der Münchner bei Aufsteiger SV Elversberg, wo erst ein Vierfachwechsel von Trainer Vincent Kompany die Wende brachte. Auch der VfB Stuttgart kämpft mit einem durchwachsenen Saisonauftakt, wie die 1:2-Niederlage in Hoffenheim zeigte.

Doch keiner dieser Vereine steckt in einer so tiefen Krise wie Gladbach. Null Punkte, zwölf Gegentore und eine Trainerentlassung nach drei Spieltagen — das ist selbst für Bundesliga-Verhältnisse ein dramatischer Fehlstart. Der kicker titelte treffend über den HSV, doch die Beschreibung „mehr Probleme als Hamburg Regentage“ hätte ebenso gut auf Gladbach gepasst.

Was kommt als Nächstes: Ausblick für Borussia Mönchengladbach

Die kommenden Wochen werden entscheidend für die Saison der Fohlen. Das nächste Bundesliga-Spiel steht am 19. September gegen Mainz 05 an — ein Duell, das unter der Leitung von Interimstrainer Lichte stattfinden wird, sofern bis dahin kein neuer Cheftrainer präsentiert wird. Mainz selbst startete solide in die Saison, was die Aufgabe für Gladbach nicht leichter macht.

Die Vereinsführung steht vor mehreren Baustellen gleichzeitig: Es gilt, die richtige Trainerpersonalie zu finden, die verunsicherte Mannschaft aufzurichten und die eklatanten Defensivprobleme zu beheben. Mit zwölf Gegentoren in drei Spielen — einem Schnitt von vier pro Partie — liegt das Hauptproblem klar in der Defensive. Kein Trainer der Welt kann Spiele gewinnen, wenn seine Mannschaft im Schnitt vier Tore pro Spiel kassiert.

Für die Fans von Borussia Mönchengladbach bleibt die Hoffnung, dass die Länderspielpause als Reset dient. Die Geschichte zeigt, dass ein Trainerwechsel zum richtigen Zeitpunkt durchaus eine Kehrtwende einleiten kann — vorausgesetzt, die Probleme liegen tatsächlich beim Trainer und nicht in tieferen strukturellen Defiziten. In Gladbach muss man sich ehrlich die Frage stellen, ob es sich um Ersteres oder Letzteres handelt.

Sources

Photo via Wikimedia Commons (Public domain)

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Lukas Brandt, LifeBogger author

Lukas Brandt

Hallo! Ich bin Lukas Brandt und schreibe für die deutschsprachigen Leser von LifeBogger über die Kindheit und die Lebensgeschichten von Fußballern. Ich recherchiere Herkunft, Familie und die frühen Jahre der Spieler — jene Geschichten, die lange vor den großen Bühnen beginnen. Am meisten interessiert mich, was einen Jungen vom Bolzplatz bis ins Nationaltrikot trägt.

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